Transplantationsprogramme: Positive Bilanz der Prüfungs- und Überwachungskommission

Die Prüfungs- und Überwachungskommission für Transplantationsmedizin hat in der vergangenen Woche ihren Tätigkeitsbericht für das vergangene Jahr vorgelegt. Dem Bericht zufolge sei die Entwicklung trotz aufgedeckter Verstöße im Vergleich zu Vorjahren positiv. Als Grund dafür werden die verschärften Kontrollen in den Transplantationszentren gesehen. Trotz allem wurden wieder Manipulationen aufgedeckt.

Die Prüfungskommission ist unter der Trägerschaft der Bundesärztekammer, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und des GKV-Spitzenverbands für die Überprüfung der Nieren-, Herz-, Pankreas- und Lungentransplantationsprogramme zuständig.

Durch die Prüfung wurden bei Bauchspeicheldrüsen-, Nieren-, und Herztransplantationen kaum Auffälligkeiten festgestellt. Lediglich einige Dokumentationsfehler wurden entdeckt. Allerdings zeigt der Prüfbericht auch grobe Verstöße auf: So wurden an fünf großen Herztransplantationszentren (Deutsches Herzzentrum Berlin, Universitätsklinikum Heidelberg, Herzchirurgische Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München, Universitätsklinikum Köln-Lindenthal und Universitätsklinikum Jena) „systematische Richtlinienverstöße und Manipulationen“ festgestellt. Des Weiteren wurden im Universitätsklinikum Jena und der Ludwig-Maximilians-Universität systematische Verstöße im Bereich der Lungentransplantationen aufgedeckt. Für die Jahre 2010 bis 2012 lägen in insgesamt 135 Fällen Manipulationen vor. Meistens seien dabei Patientenakten so verändert worden, dass Patienten kränker erschienen und so auf Wartelisten weiter nach vorne rückten.

Trotz neuer Manipulationsfunde: Bilanz positiv

Insgesamt hatte die Kommission 46 Transplantationszentren und 126 Transplantationsprogramme untersucht. Trotz der aufgedeckten Manipulationen sieht diese dennoch insgesamt eine positive Entwicklung. Vor allem nach dem Bekanntwerden des Transplantationsskandals in Göttingen 2012 seien bedeutende Veränderungen vorgenommen worden, welche zu einem Strukturwandel in den Transplantationszentren geführten haben. So gäbe es heute schärfere Prüfungen vor Ort, das Mehr-Augen-Prinzip bei den Anmeldungen zu Wartelisten und sowie sogenannte Transplantationskonferenzen. Zudem wurde eine unabhängige Vertrauensstelle eingerichtet, an die sich Patienten und Mitarbeiter bei Auffälligkeiten anonym wenden können. Auch habe sich eine gute Zusammenarbeit mit den Landesministerien entwickelt, die als weitere Kontrollinstanz agieren. Des Weiteren habe sich die Prüfungs- und Überwachungskommission selbst als effektives Kontrollgremium gezeigt. Die regelmäßigen Überprüfungen führten laut Prüfunskommission dazu, dass das Vertrauen der Patienten wieder gestärkt werde. Daher möchte die Kommission auch in Zukunft ihre Arbeit fortführen.

Das Kontrollsystem ist ausbaufähig

Trotz dieser Verbesserungen wird noch immer an der Kontrolle des Organspendesystems Kritik geübt. So besteht der Vorwurf, dass es keine rein staatliche, gänzlich von der Transplantationsmedizin unabhängige, Aufsicht und Kontrolle gäbe. Noch zu sehr seien private Organisationen für die Organspende zuständig und die staatliche Kontrolle sei noch zu wenig ausgeprägt. Es wird somit unter anderem vorgeschlagen, das Robert-Koch-Institut (RKI) mit der Überprüfung des Organspendesystems zu beauftragen. Außerdem müsse eine Kontrolle noch häufiger als bisher stattfinden.

Stefan Waldeck, Anwalt für Medizinrecht