Ermittlungen in Duderstadt: Tod durch falsche Blutkonserve?

Im niedersächsischen Duderstadt wird in einer Klinik gegen zwei Ärzte wegen fahrlässiger Tötung ermittelt: Eine Patientin soll durch die Verwechslung von Blutkonserven verstorben sein. Zweimal sollen der Frau Konserven, die eigentlich für eine andere Patientin bestimmt waren, injiziert worden sein. Ob das Vertauschen der Konserven der Grund für den Tod der Patientin im Dezember 2015 war, wird nun ermittelt.

Genaue Todesursache noch unklar

Die Verwechslung soll im Rahmen einer Operation am Bein geschehen sein. Dabei soll der Patientin zu Beginn der Narkose bereits eine erste Konserve verabreicht worden sein. Dieses Blut könnte eine unverträgliche Blutgruppe gehabt haben. Es soll sich dabei um Blut für eine Patientin mit einem ähnlichen Name gehandelt haben. Nach dem Eingriff wurde die Patientin wegen ihres bedenklichen Zustandes auf die Intensivstation verlegt. Nun wurde ihr eine weitere Blutkonserve injiziert. Es ist möglich, dass dabei die Blutgruppe zuvor nicht überprüft wurde. Zurzeit wird ein medizinisches Gutachten erstellt, welches die genaue Todesursache der Frau klären soll.

Normalerweise sichert ein Schnelltest die Verwendung der richtigen Blutgruppe

Normalerweise werden die Blutgruppen direkt vor der Bluttransfusion mit dem sogenannten „Bedside-Test“ überprüft, also direkt am Bett des Patienten. So sollen mögliche Verwechslungen noch in letzter Sekunde vermieden werden. Die Klinikleitung benachrichtigte umgehend die Staatsanwaltschaft und die zuständigen Ärzte wurden vom Dienst freigestellt. Die Klinikleitung betont, wie sehr sie und alle Mitarbeiter den Vorfall bedauern. Jedoch handele es sich dabei um ein einmaliges Vorkommen. In der Klinik seien keine weiteren Verwechslungen aufgefallen.

Kein Einzelfall in Deutschland

Bundesweit kommt es jedoch immer wieder zu Verwechslungen von Blutkonserven. In Marburg (Hessen) starb 2010 ein Patient durch eine nicht verträgliche Blutkonserve und auch 2008 kam es in Lemgo (Nordrhein-Westfalen) zu einem ähnlichen Todesfall aufgrund dieses Behandlungsfehlers. 2002 wurde ein Lübecker Arzt wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, nachdem er einem Patienten die falsche Blutkonserve gegeben hatte.

Stefan Waldeck, Anwalt für Medizinrecht