Behandlungsfehler – Wenn der Arzt Fehler macht

Schon ein kleiner Fehler bei der Behandlung eines Patienten kann deutliche Auswirkungen auf die Gesundheit des Patienten haben. Weder für den Betroffenen, noch für den behandelnden Mediziner sind die möglichen Folgen erfreulich. Fehler passieren leider und gerade die Rate der Behandlungsfehler steigt in Deutschland stetig an. Mediziner müssen aus diesen Gründen jederzeit mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Oft bleibt es nicht bei zivilrechtlichem Schadensersatz – auch strafrechtliche Folgen können können das medizinische Personal treffen. Meistens sind damit die Reputation und die Karriere dahin.

Was genau sind Behandlungsfehler?

Von einem Behandlungsfehler wird immer dann gesprochen, wenn die medizinische Behandlung eines Patienten nicht so vorgenommen wird, wie es nach dem aktuellen Wissenschaftsstand geschehen müsste. Ausgenommen sind natürlich zulässige abweichende Absprachen zwischen Behandelndem und Patient.

Dabei gibt es zahlreiche verschiedene Varianten von Behandlungsfehlern. So können Befunde mangelhaft erhoben werden, Diagnosen können falsch gestellt werden oder es wird eine ungeeignete Therapie ausgewählt. Therapien selbst können fehlerhaft durchgeführt werden.

Häufig werden Patienten mangelhaft aufgeklärt, hinsichtlich ihrer Verhaltenspflichten, die für den Heilungserfolg wichtig sind. Zu den Behandlungsfehlern zählen Organisationsfehler wie z.B. Hygienemängel. Der Fehler kann außerdem in der Kommunikation oder Koordination der unterschiedlichen behandelnden Ärzte liegen.

Zunehmende Häufigkeit von Behandlungsfehlern

Laut der Jahresstatistik zu Behandlungsfehlern des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) wurden im Jahr 2014 bei den deutschen Krankenkassen insgesamt mehr als 14.600 Verdachtsfälle gemeldet. Davon erwiesen sich nur 4.282 tatsächlich als Behandlungsfehler. In knapp 3.800 Fällen davon lag ein Schaden vor.

Hiervon wiederum war in 4 von 5 dieser Fälle die Falschbehandlung nachweislich kausal für den Schaden.

So starben 155 Patienten an den Folgen eines Fehlers, rund 1.300 trugen bleibende Schäden davon. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der kausalen Fehler leicht angestiegen (2014: 20,3% der gemeldeten Fälle; 2013: 17,4%).

Mit der Zuahme der Behandlungsfehler nahm über die letzten Jahre hinweg die Anzahl der Behandlungsfehlervorwürfe zu. Dabei traten die meisten Vorwürfe in operativen oder chirurgischen Fachbereichen auf.

Fehlerursachen

Als Gründe für steigende Rate der Behandlungsfehler wird vor allem der zunehmende Stress bei Ärzten gesehen. Durch die immer intensivere Arbeit in Praxen und Kliniken nimmt dieser stetig zu. Zudem steigt die Fehlerwahrscheinlichkeit wegen des ständigen Leistungsdrucks. Zusätzlich belastet sind die Mediziner durch lange Arbeitszeiten und Kommunikationsmängel.

Dazu kommen zahlreiche Verwechslungsmöglichkeiten bei beispielsweise ähnlich klingenden Medikamenten oder ähnlichen Packungen.

Rechtliche Konsequenzen

In zivilrechtlicher Hinsicht ist die Folge eines Behandlungsfehlers Schadensersatz. Außerdem können betroffene Medizinern berufsrechtliche Konsequenzen drohen.

Ein Behandlungsfehler kann eine strafrechtliche Ermittlung mit sich bringen.

Dabei stellt zunächst jede Heilbehandlung eine Körperverletzung (§ 223 StGB) dar. Diese ist nicht strafbar, wenn eine wirksame Einwilligung des Patienten besteht. Bei fehlerhaften Behandlungen liegt keine Einwilligung vor. Dies führt zur Rechtswidrigkeit der Tat.

In Fällen, in denen der Patient an der Folge eines Behandlungsfehlers verstirbt, kann sogar eine Körperverletzung mit Todesfolge (§ 227 StGB) oder sogar eine fahrlässige Tötung (§ 222 StGB) vorliegen.

Vermeidungsmöglichkeiten

Selbstverständlich muss durch ein effektives Fehlermanagement und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen versucht werden Behandlungsfehler zu vermeiden. Durch bestimmte Trainingsmaßnahmen kann die Wachsamkeit des medizinischen Personals für leicht vermeidbare Fehler geschult werden.

Stefan Waldeck, Anwalt für Medizinstrafrecht