Anzahl der Verdachtsfälle für Behandlungsfehler 2015 gesunken

Wie aus einer Erhebung der Techniker Krankenkasse (TK) hervorgeht, wurde 2015 seltener der Verdacht eines Behandlungsfehlers gemeldet. Im Jahr 2014 verzeichnete die Krankenkasse 4.020 Verdachtsfälle. Im vergangenen Jahr lag die Zahl bei nur 3.275. Im Großen und Ganzen lässt sich jedoch keine eindeutige Entwicklung feststellen, da 2013 auch „nur“ 3.604 Verdachtsfälle vorlagen.

Die meisten Behandlungsfehler in der Chirurgie

Die meisten Behandlungsfehler passieren im Bereich der Chirurgie

Im chirurgischen Bereich erfasste die Krankenkasse dabei mit 1.204 die meisten Fälle. An zweiter Stelle folgten die Verdachtsfälle bei Zahnärzten (387). Im orthopädischen Bereich wurden 194 Fälle verzeichnet, bei Allgemeinmedizinern 192.

In der bundesweiten Verteilung gab es die meisten Verdachtsfälle in den bevölkerungsreichsten Bundesländern, Nordrhein-Westfalen (848) und Bayern (405). Aber auch in jedem einzelnen Bundesland war ein Rückgang der gemeldeten Verdachtsfälle im Vergleich zum Vorjahr zu erkennen. An Folgekosten für Behandlungsfehler erhob die TK 2015 insgesamt 14 Millionen Euro von Medizinern und Kliniken.

Rund 1/4 aller Verdachtsfälle werden bestätigt

Die TK betont jedoch, dass nicht jeder gemeldete Verdacht sich am Ende auch tatsächlich als ein Behandlungsfehler herausstellt. Häufig sei es für Patienten nur sehr schwer zu erkennen, ob ein komplizierter Heilungsprozess auf einem Fehler in der Behandlung beruht oder völlig normal ist.

2014 meldete der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK), dass insgesamt 14.660 Fälle angezeigt wurden. Davon konnte jedoch in 74 % kein Behandlungsfehler nachgewiesen werden.

Hohe Dunkelziffer vermutet

Auf der anderen Seite wird jedoch auch eine hohe Dunkelziffer an nicht registrierten Behandlungsfehlern befürchtet. Oftmals wüssten Patienten nicht, an welche Stellen sie sich bei einem Verdacht wenden können. Die Schätzungen dazu gehen weit auseinander. Das Bundesgesundheitsministerium schätzt die Zahl der bundesweiten Behandlungsfehler auf jährlich zwischen 40.000 und 170.000.

Das Bundesgesundheitsministerium und die Bundesärztekammer plädieren stets dafür, offen mit Behandlungsfehlern umzugehen, anstatt Medizinern plakativ Pfusch vorzuwerfen. Nur so könne die Anzahl der Fehler auch in Zukunft reduziert werden.

Stefan Waldeck, Anwalt für Medizinrecht